Darmkrebs mit Einnahme von Antibiotika assoziiert

Die Anwesenheit tumor­infiltrierender Lymphozyten bei einem Kolorektalkar­zinom kann für ein Lynch-Syndrom sprechen. © wikimedia/Nephron

Weltweit erkranken immer mehr junge Menschen an Darmkrebs. Erklärungsansätze dafür gibt es viele. Sie reichen von genetischen Faktoren über Umweltverschmutzung bis hin zu vermehrtem Antibiotikagebrauch.

Jedes zehnte neu diagnostizierte Kolorektalkarzinom trifft unter 50-Jährige. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2030 etwa 11 % aller malignen Tumoren im Kolon sowie 23 % aller rektalen Karzinome auf Personen entfallen, die jünger als 50 Jahre sind. „Auf diese Epidemie müssen wir uns vorbereiten“, mahnte Professor Dr. Jaroslaw­ Regula­ vom Maria ­Sklodowska Curie Memorial Cancer Centre in Warschau. Was den Ärzten dabei besonders besorgt: Obwohl jüngere Patienten häufig aggressiver behandelt werden als ältere, gibt es hinsichtlich der Überlebensraten keine Unterschiede.

Welche Faktoren zum vermehrten Auftreten bei jüngeren Betroffenen beitragen, ist unklar, so Prof. Regula. In den USA beispielsweise findet man die höchsten Inzidenzraten im Mississippi-Delta und im Bereich der Appalachen – beides Gebiete mit hoher Arbeitslosigkeit, Armut und einem schlechten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Auch Umweltfaktoren wie eine hohe Belas­tung durch Chemikalien spielen dort vermutlich eine Rolle.

Interessant ist, dass sich die genetische Disposition von Älteren und Jüngeren unterscheidet. 90 % der über 50-Jährigen weisen keine erbliche Risikokonstellation auf. Bei den unter 35-Jährigen sind es lediglich 65 %, die nicht genetisch vorbelastet sind. In dieser Kohorte gehen 23 % bzw. 9 % aller Fälle auf das Lynch- und das Polyposis-Syndrom zurück – im Vergleich zu 3 % bzw. < 1 % unter älteren Betroffenen.

Einige Studien wiesen auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antibiotika und dem Auftreten von Darmkrebs hin. Allerdings waren die Daten zum Antibiotikagebrauch in der Regel mittels Fragebögen erhoben worden, basierten also allein auf Patientenangaben, gab Prof. Regula zu bedenken. Weitere potenzielle Risikofaktoren habe man dabei meist nicht mit eingerechnet.

Karzinomrisiko war abhängig von der Dosis

Eine neuere Studie liefert nun erstmals „harte und sehr interessante Daten“, berichtete der Kollege aus Warschau. Auf Grundlage von 11,3 Millionen Patientenakten der Jahre 1989 bis 2012 aus dem Vereinigten Königreich hatten Forscher fast 29 000 Patienten mit Darmkrebs ermittelt und deren Daten mit denen von rund 137 000 passenden Kontrollen verglichen. Der Antibiotikagebrauch war anhand der in den Akten enthaltenen Verschreibungen erfasst worden.

Es zeigte sich eine deutliche dosis­abhängige Assoziation zwischen der Einnahme von Antibiotika und dem Auftreten von Kolonkarzinomen. Durch Subgruppenanalysen konnten die Forscher zeigen, dass dieser Effekt vor allem auf Substanzen zurückgeht, die sich gegen Anaerobier richten. Im Mastdarm schienen die Medikamente dagegen eher protektiv zu wirken. Vermehrter Antibiotikagebrauch war mit einem reduzierten Risiko für Rektumkarzinome verbunden. Über das Warum lässt sich derzeit nur spekulieren.

Quelle: 7th European Update Congress in Gastroenterology*

*Online-Veranstaltung